Mein Recht auf eine geregelte Arbeitszeit

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Die Arbeitszeit soll noch flexibler werden. Das fordern Teile der Wirtschaft. Das steht auch im Regierungsprogramm. Dabei gibt es schon jetzt unzählige Möglichkeiten, Arbeitszeit an die Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen. Beschäftigte sind oft bereit, Mehrleistungen auf sich zu nehmen – und zwar in allen gängigen Arbeitszeitmodellen. Schon jetzt heißt das für viele: Arbeiten am Limit. Das scheint nicht genug zu sein. Was steckt in Wahrheit hinter dem Wunsch, Arbeitszeit anders zu regeln? Mehr Arbeit für weniger Geld.

Wir kennen die Forderungen der Wirtschaft nur zu gut ..

  • Länger Arbeiten auf Abruf, auch ganz kurzfristig, und das …
  • 12 Stunden pro Tag … 
  • 60 Stunden die Woche …
  • längere Durchrechnungsmöglichkeiten von Arbeitszeiten

Dafür gibt es … 

  • keine oder seltener Zuschläge für Mehr- oder Überstunden
  • Die angesparte Zeit kann man sich irgendwann nehmen – wenn es dem Unternehmen passt. Nicht dann, wenn man sich erschöpft fühlt. Oder einmal mehr Zeit bräuchte für die Familie, Fortbildung oder private Projekte.

Was plant die Regierung in Sachen Arbeitszeit?

Laut Regierungsprogramm soll es „flexiblere“ Arbeitszeiten geben. Konkret lässt sich zum Beispiel Folgendes herauslesen:

  • Sonderüberstunden können leichter angeordnet werden – Überstundenmarathons sind somit generell möglich.

  • 12 Stunden Gleitzeit täglich – das soll künftig möglich sein.

  • Die täglichen Ruhezeiten im Tourismus sollen noch weiter verkürzt werden.

  • Mehr Druck im Betrieb: Außerdem sollen Arbeitszeitfragen zunehmend in Betrieben selbst geregelt werden. Klingt im ersten Moment gut, kann aber zur Keule gegen die Belegschaft werden. Denn wenn sie nicht spurt und alles schluckt, kann der Betrieb mit Stellenabbau drohen.

Was könnte noch drohen? 

  • Laut Regierungsprogramm sollen die Melde-, Übermittlungs- und Auskunftspflichten an die Arbeitsinspektorate reduziert werden. Das könnte bedeuten: Weniger Schutz vor Arbeitszeitverletzungen. Betriebe müssten dann kaum mehr Konsequenzen fürchten, wenn sie Arbeitszeitregelungen verletzen

  • Weniger Strafen für schwarze Schafe: Unklar ist auch, ob Unternehmen künftig nur mehr milde Strafen drohen, wenn sie Schutzbestimmungen missachten – und was das für die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze bedeutet.


Was hätte das für Konsequenzen

  • Es wird noch schwerer, dem Arbeitsdruck standzuhalten. Die Gesundheit bleibt irgendwann auf der Strecke, die Chancen, bis zur Pension arbeiten zu können, schwinden. Zahlreiche Studien belegen, dass 12-Stunden-Arbeitstage der Gesundheit auf Dauer schaden. Mehr ...  

  • Die Gefahr von Unfällen nimmt zu. Sie steigt ab der 8. Arbeitsstunde. Übermüdete ArbeitnehmerInnen sind ein Risiko für sich und andere. Wer nach 12 Stunden nach Hause fährt, hat wegen Müdigkeit ein doppelt so hohes Unfallrisiko wie nach 8 Stunden. Mehr ...

  • Keine planbaren längeren Freizeitblöcke zur Erholung, wie sie z.B. Pflegekräfte haben.

  • Große Probleme, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Vor allem Mütter mit kleineren Kindern und Alleinerziehende haben es damit noch schwerer, eine Vollzeitstelle anzunehmen oder nach der Karenz überhaupt wieder Arbeit zu finden. 

  • Auch Pendlerinnen und Pendler hätten massive Probleme – zum einen, weil die Öffi-Verbindungen zu Randzeiten schlechter werden, zum anderen, weil die Arbeitstage überlang wären.  

  • Für Fortbildung bleibt keine Zeit mehr bzw. fehlt die Planbarkeit. Ein großer Nachteil, wenn man beruflich am Ball bleiben will.

  • Auch ehrenamtliches Engagement bleibt auf der Strecke, private Beziehungen müssen auf Sparflamme kochen. Der soziale Kitt der Gesellschaft bröckelt.

  • Nein sagen wird bei völlig ungeregelten Arbeitszeiten praktisch unmöglich. 
Was unsere Mitglieder wollen...

ganz bestimmt keine generellen 12-Stunden-Tage. Das zeigt auch eine Umfrage, bei der letztes Jahr 16.000 Menschen mitgemacht haben. Mehr ...  


Was wir fordern:

  • gesunde Vollzeitarbeit statt ungesunde Überstunden-Marathons ohne Zuschläge.

  • Volle Bezahlung von Mehr- und Überstunden mit Zuschlägen

  • Für Teilzeitbeschäftigte: Erhöhung des Mehrarbeitszuschlages auf 50% und diesen ab der ersten Stunde. 

  • Echte Mitbestimmung bei der Arbeitszeitgestaltung

  • Zeit für berufliche Weiterbildung, um vor lauter Arbeit nicht den Anschluss an aktuelle Entwicklungen zu verlieren, und zwar in Form einer bezahlten Weiterbildungswoche mit Rechtsanspruch. 

  • Überstunden-Euro: Pro geleisteter Überstunde soll ein Euro vom Arbeitgeber in einen Präventionstopf gezahlt werden. Damit ließen sich zum Beispiel Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung oder Präventionsprojekte finanzieren.

  • Arbeitszeitverkürzung, um den gestiegenen Druck in der Arbeit besser zu verkraften – etwa in Form einer 6. Urlaubswoche nach 25 Jahren oder einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit.
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63 Kommentare zu diesem Artikel

Kommentare
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63 Kommentare zu diesem Artikel

Bubba 08.03.2018 08:13:08

Arbeitszeit endlich verkürzen!

Wir als Arbeitende sind viel zu zaghaft, was unsere Forderungen und Gegenmaßnahmen anbelangt. Man darf daran erinnern, dass vor noch nicht all zu langer Zeit Lohnarbeit noch nicht für alle als Heilmittel und Lebenssinn anerkannt wurde, hingegen von Ausbeutung und Entfremdung durch Lohnarbeit gesprochen und über eine Welt ohne Lohnarbeitszwang nachgedacht wurde. Wie viele von uns arbeiten tagtäglich etliche Stunden in einem sinnlosen, aufreibenden, evtl. sogar massiv gesundheitsgefährenden und umweltbelastenden Job?
Es braucht eine Diskussion über den Inhalt, die Qualität und die Sinnhaftigkeit von Arbeitsplätzen anstelle des auf Anzahl und Ausmaß reduzierten Diskurs.

Es braucht endlich eine deutliche gesetzliche bzw. flächendeckende Arbeitszeitverkürzung (bei vollem Lohnausgleich). Um Arbeit gerecht zu verteilen und psychische Belastungen zu reduzieren, um mehr Zeit für sinnvolle Tätigkeiten (politisches, zivilgesellschaftliches Engagement, Pflege ... weiterlesen

Peter Kellner 07.03.2018 07:58:04

Arbeitszeit

Seit 26 Jahren bin ich in einem Security Unternehmen beschäftigt. Erst seit 2 Jahren wurde die Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden Stufenweise gesenkt. Und das bei einem 12 Stunden Arbeitstag. Bis Dato hat das niemandem interessiert. Auch nicht als ich noch im Gastgewerbe tätig war. 60-80 Wochenstunden waren ganz normal. Jetzt plötzlich wird das Thema aufgegriffen und Panik verbreitet. Es gibt genug Berufssparten denen es gar nicht anders möglich ist anders zu arbeiten um die Aufträge Zeitgerecht zu erledigen. Am grünen Tisch ist das eine. Doch in der Realität ist das andere. Fazit: 12 Stunden Tage ( auch im Schichtbetrieb ) gibt es schon ewig. Was hat die AK und die Gewerkschaften plötzlich dazu bewogen wegen der Arbeitszeit so aktiv zu werden? Die letzten Wahlausgänge ? Schaut euch mal die Kollektivverträge mal genauer an. Auch das was zwischen Zeilen steht.

2 Antworten
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Antwort auf Peter Kellner 07.03.2018 07:58:04

Sabine Bauer 26.03.2018 16:44:00

Entscheidendes Wort: Eingeschränkt!

Der Punkt ist, dass Kollektivverträge 12-Stundentage zulässig machen, aber für einen BEGRENZTEN Zeitraum. Und dort, wo so lange Arbeitszeiten an der Tagesordnung sind, fliehen die Menschen eh! Mit dem Verkürzung der Ruhezeiten im Gastgewerbe wird der Personalmangel dort noch viel schlimmer werden! Das ist genau die falsche Strategie.

Antwort auf Peter Kellner 07.03.2018 07:58:04

Petra von "Wie soll Arbeit?" 27.03.2018 11:21:46

Forderungen der Wirschaft

Wir stimmen Ihnen zu, dass es bereits jetzt in vielen Branchen üblich ist in 12-Stunden-Schichten, am Wochenende und Nachts zu arbeiten (zB Pflegepersonal). Diese Zeiten sind jedoch im Normalfall vorausgeplant und besonders Wochenend- oder Nachtdienste werden mit Zuschlägen vergütet. Die Forderungen seitens der Wirtschaft beinhalten jedoch unter anderem länger Arbeiten auf Abruf, auch ganz kurzfristig und, dass Betriebe durch die geplante Reduzierung der Melde- und Auskunftspflichten kaum mehr Konsequenzen durch Verletzung der Arbeitszeitregelungen fürchten müssen.
Verpflichtende 12-Stunden-Arbeitstage stellen zB für AlleinerzieherInnen eine große organisatorische Aufgabe dar und würden die Arbeitstage für PendlerInnen überlang werden lassen.
Profitieren würde von den aktuellen Plänen lediglich die Wirtschaft, auf Kosten der ArbeitnehmerInnen.

Andreas 06.03.2018 19:42:01

Der 12-Stunden-Tag ist schon lange da

Der 12-Stunden-Tag ist im Einzelhandel schon lange gelebte Praxis.
Eingetragen wird zwar immer 10 Stunden, gearbeitet wird aber 12 Stunden oder mehr. Im Penny Markt zbsp. ist es so, dass man von 6:30 bis 20:30 arbeitet und am Vormittag hat man 30min Pause (eingetragen wird 2 Stunden) und am Nachmittag eine Pause von 30min (und wieder wird 2 Stunden eingetragen).

Ob der 12-Stunden-Tag jetzt kommt oder nicht, für viele die im Einzelhandel arbeiten wird sich nicht viel ändern, da sie jetzt auch schon 12 Stunden täglich arbeiten.

Viel wichtiger wäre es meiner Meinung nach alle Betriebe in Österreich zu zwingen, dass sie Stempelkarten einführen müssen, damit die Stunden genau erfasst und bezahlt werden und der Filialleiter die Stunden nicht manipulieren kann.

Daniela Pokorny 06.03.2018 16:15:57

12 Stunden Arbeitszeit

Ich finde so wie es jetzt ist, ist es ausreichend. Man hat sonst keine Freizeit mehr nach 12 Stunden Arbeiten. Der Druck ist jetzt schon hoch genug. Ich spreche aus Erfahrung, hatte bereits mehrere Schlaganfälle. 2010 traute sich die Firma nicht mich zu kündigen (2 nachgewiesene), aber nach einer Operation am Nerv in der linken Hand, wurde ich im Krankenstand 2013 gekündigt.

Klikowitsch 05.03.2018 07:01:15

Arbeitszeit 12 Stunden

Wenn mann 12 Stunden arbeiten soll am Tag dann fordere ich mindestens 8 Wochen Urlaub im Jahr das wäre gerecht

Dorli 02.03.2018 11:20:17

12h sind zu viel,

Das ist gesundheitsgefährdend und familienfeindlich. Anstelle die 60h-Stunden-Woche zu fordern, soll die Regierung über eine Arbeitszeitverkürzung nachdenken.

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